Was genau ist ein Berufsbildungswerk?

Ein Berufsbildungswerk ist durch die Agentur für Arbeit oder einen ähnlichen Kostenträger beauftragt, eine berufliche Rehabilitation (Teilhabe am Arbeitsleben) – das heißt eine Ausbildung oder Berufsvorbereitung - durchzuführen. Wichtigste Merkmale sind, dass sich Praxisbetriebe und Berufsschule, Therapieangebote, Unterstützungs-und Freizeitangebote sowie Wohnmöglichkeiten unter einem Dach oder in unmittelbarer Nähe befinden.

Berufsbildungswerke sind mit dem SGB § 51 (Sozialgesetzbuch) verankert und werden auch als außerbetriebliche Ausbildungsorte bezeichnet. Es gibt unterschiedliche Berufsbildungswerke hinsichtlich der Diagnosen der Teilnehmer und der Ausbildungsberufe.

SGB IX § 51 Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation
(1) Leistungen werden durch Berufsbildungswerke, Berufsförderungswerke und vergleichbare Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation ausgeführt, wenn Art oder Schwere der Behinderung der Leistungsberechtigten oder die Sicherung des Erfolges die besonderen Hilfen dieser Einrichtungen erforderlich machen.

Wer fördert beziehungsweise bezahlt eine Ausbildung oder Berufsvorbereitung in einem Berufsbildungswerk?

Rehabilitationsträger für die Erbringung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben können gemäß § 6 SGB IX sein:

  • die Bundesagentur für Arbeit (zuständig in den ersten 15 Versicherungsjahren); bei jungen Menschen vor der beruflichen Erstausbildung
  • die Träger der öffentlichen Jugendhilfe (Jugendämter der Landkreise und kreisfreien Städte)
  • die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung (z.B. Berufsgenossenschaften, Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand), wenn die Behinderung durch einen Arbeitsunfall im Betrieb, einen Unfall in der Schule oder auf dem Weg dorthin entstanden ist oder im Fall einer Berufskrankheit
  •  die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung

Welche Voraussetzungen muss ich für eine Förderung erfüllen?

  • Menschen, die aufgrund ihres Förderbedarfes nach §§ 19, SGB III und 2, SGB IX, nicht nur vorübergehend, sondern über einen längeren Zeitraum (mindestens sechs Monate) auf Unterstützung angewiesen sind und deshalb Hilfe zur Teilhabe am Arbeitsleben benötigen.
  • Teilnehmer in einem Berufsbildungswerk haben in der Regel noch keine abgeschlossene Erstausbildung.
  • Der Förderanspruch muss durch den Kostenträger (überwiegend Agentur für Arbeit) festgestellt und bewilligt werden.
  • Bundeslandgrenzen spielen bei der Auswahl des Berufsbildungswerkes keine Rolle, dies regelt das Mitbestimmungsrecht im SGB.

Wie erhalte ich die Leistungen / Förderung konkret?

  • Es muss ein schriftlicher Antrag bei der Agentur für Arbeit eingereicht werden.
  • Zuständig ist immer der Kostenträger am Wohnort, zum Beispiel die Berufsberatung für Behinderte, auch Reha-Team der Agentur für Arbeit.
  • Der Antrag kann formlos gestellt werden und dem Antragsteller steht binnen 14 Tagen ein schriftlicher Bescheid zu! Innerhalb der nächsten 3 Monate wird über die Förderung entschieden.
  • Zur Entscheidung werden in der Regel ein bis zwei Beratungsgespräche stattfinden und ein ärztliches und ein psychologisches Gutachten werden erstellt.
  • Alle Bescheide müssen schriftlich erstellt werden und dem Antragsteller zugehen.
  • Widerspruchsverfahren oder eine erstinstanzliche, kostenlose Klage vor dem Sozialgericht ist möglich.

Benötige ich einen Schwerbehindertenausweis?

Nein, die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sind unabhängig von einem Schwerbehindertenausweis, es müssen die Voraussetzungen des § 2 Absatz 1 SGB IX vorliegen.

Gibt es eine Altersgrenze?

Grundsätzlich nicht, es ist jedoch wichtig, dass sich jeder Teilnehmer wohl fühlt. Das Durchschnittsalter liegt bei 22 Jahren, viele Teilnehmer haben bereits eine Ausbildung abgebrochen oder eine weiterführende Schule besucht. So ist es keine Seltenheit, dass Berufsbildungswerke auch einige Einsteiger über 25 Jahre aufnehmen.

Wann ist eine Berufsvorbereitung empfehlenswert?

In einer Berufsvorbereitung erarbeiten wir mit den Teilnehmern die Berufswahl- und Ausbildungsreife. Konkret bedeutet das, dass man nach einer Eignungsabklärung oder Berufsvorbereitung eine sichere Berufswahl treffen kann und die zusätzlich benötigten Kompetenzen (soziale, persönliche..) vorhanden sind, die man für eine Ausbildung benötigt.

Benötigt man einen besonderen Schulabschluss für eine Ausbildung?

Nein, um an einer Berufsvorbereitung oder Ausbildung teilzunehmen, benötigt man keinen bestimmten Schulabschluss. Bei einer Ausbildung ist es jedoch wichtig, dass man das benötigte Leistungsvermögen mitbringt, die Anforderungsprofile sind sehr unterschiedlich und werden bei Bedarf noch einmal getestet.  

Es gibt die Möglichkeit, während einer Berufsvorbereitung, den Hauptschulabschluss durch eine Externenprüfung nachzuholen. Während der Ausbildung können, je nach Voraussetzung, ein Realschulabschluss (9+3) anerkannt oder die Fachhochschulreife (Mittlere Reife + Ausbildung + Zusatzunterricht) erworben werden.

Ist der Abschluss anerkannt?

Selbstverständlich, die Prüfungen setzen sich aus einer theoretischen und praktischen beziehungsweise mündlichen Prüfung zusammen. Die schulische Prüfung wird an der jeweiligen Berufsschule abgelegt, der praktische Teil wird durch die zuständige Kammer (zum Beispiel IHK oder HWK) abgelegt. Man bekommt ein Zeugnis von der jeweiligen Kammer ausgestellt, das Berufsbildungswerk ist Prüfungsbetrieb.

Welche besondere Unterstützung gibt es in einem Berufsbildungswerk?

Vornweg haben alle Teilnehmer einen zentralen Ansprechpartner im Berufsbildungswerk, einen Bildungsbegleiter oder Case Manager, die ihren Rehaprozess steuern. Eine Förderplanung wird mit allen Beteiligten (interdisziplinäres Team) abgesprochen, Ziele werden festgelegt und an den Kostenträger geschickt. Das interdisziplinäre Team besteht aus allen Fachdiensten, Berufsschule, Praxis, Sozialpädagogik und Medizin/Therapie.

Alle Bereiche sind an der individuellen Förderung beteiligt und gleichermaßen wichtig. Jeder Teilnehmer kann sich selbst einbringen, indem er seine eigenen Wünsche und Ziele formuliert. Die Unterstützung zielt darauf ab, dass eine erfolgreiche Maßnahme absolviert wird, aber auch darauf, dass nach einer Ausbildung bestenfalls die Vermittlung auf dem ersten Arbeitsmarkt gelungen ist. Hierbei unterstützt unser Absolventenmanagement bis zu sechs Monate nach der Ausbildung.

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Philipp Jewak


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